Finanzierung

Traumhaus ohne Schieflage

Von Tobias Lemser · 2019

Ein Haus zu bauen, ist für die meisten die grösste Investition im Leben. Doch was kommt finanziell auf mich zu und was kann ich mir leisten? Nur einige Fragen, die es im Vorfeld zu klären gilt.

In der unmittelbaren Innenstadt von Grossstädten wie Genf, Basel oder Zürich zu wohnen, hat etwas ganz Besonderes: Grossstadtflair mit einer Vielzahl an Geschäften, Bars, Restaurants und einer optimalen Verkehrsanbindung – ob zur Arbeit, Kita oder zum Treffen mit Freunden.

Ländlicher Raum zieht an

Einziges Manko: Obwohl alles vor Ort vorhanden ist, fehlt nicht wenigen Städtern die Nähe zur Natur – ein Trend, den der Hypothekenvermittler Moneypark in seiner jüngsten Wohntraumstudie Schweiz aus dem vergangenen Jahr bestätigt. Demnach wollen immer mehr Menschen raus aus dem Stadtzentrum hinein in ländlichere Regionen. Für 44 Prozent der mehr als 1‘000 befragten Schweizer Bewohner ist das Einfamilienhaus – idealerweise mit Garten oder Terrasse – das Nonplusultra. Wie weit das Traumhaus vom Arbeitsplatz oder etwa von den nächsten Angehörigen entfernt ist, finden die Schweizer eher unwichtig. Wie die Umfrage darüber hinaus ergab, legen 55 Prozent der befragten Mieter regelmässig Geld zur Seite, um sich ihre Traumimmobilie leisten zu können. Gut jeder Dritte spart monatlich bis zu 1‘000 Franken.

Hohe Kosten für Haus und Grundstück

Wer hierzulande ein Einfamilienhaus baut, hat mit Kosten von einer halben bis zu einer ganzen Million Schweizer Franken zu rechnen. Nicht zu vergessen die Kosten für die Umgebungsgestaltung und natürlich das Bauland, das hierzulande besonders knapp und dementsprechend teuer ist. Laut veröffentlichter Statistiken der Kantone über die Bodenpreisentwicklung haben sich im Kanton Zürich seit 1974 die Durchschnittspreise pro Quadratmeter von 350 auf knapp 2‘500 Franken versiebenfacht, in Winterthur sind die Preise sogar um das Elffache gestiegen und liegen nun bei rund 1‘200 Franken. Allerdings können die einzelnen Preise teils erheblich schwanken. Alles entscheidend ist die Lage. Sind zum Beispiel ein S-Bahn-Anschluss, Schulen oder Geschäfte in der Nähe? Ebenso hängt der Preis vom Zonenplan und der sogenannten Ausnutzungsziffer ab, also dem Verhältnis zwischen Grundstücksfläche und höchstens zulässiger Wohnfläche. Um sich diesbezüglich einen Überblick zu verschaffen, gibt das Grundbuchamt exakt Auskunft.

Erschliessungskosten nicht zu unterschätzen

Auch gilt es zu klären, ob das Bauland bereits erschlossen ist. Sind beispielsweise noch keine Zufahrt, Frisch- und Abwasserleitungen sowie Anschlüsse für Strom, Telefon und Kabelfernsehen vorhanden, können auf den Hüslibauer Erschlies­sungskosten von 100 bis 150 Franken pro Qua­drat­meter zukommen. Um diese gesamte finanzielle Last stemmen zu können, kommt kaum einer um die finanzielle Hilfe eines Kreditinstituts herum. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein Mindestmass an Eigenkapital, dass bei 20 Prozent der Gesamtkosten liegen sollte – idealerweise sogar noch mehr, um besser verhandeln und so die laufenden Kosten verringern zu können. Unabhängig davon sollten diese ein Drittel des monatlichen Einkommens nicht übersteigen.

Aktuelle Zinslage ignorieren

Wichtig: Auch wenn Banken noch immer mit niedrigen Zinsen locken, raten Experten bei der Entscheidung pro oder contra Eigenheim, die aktuelle Zinslage auszusparen. Vielmehr sollte das Augenmerk auf die künftige Zinsentwicklung gerichtet werden. Hierzu zählt vor allem der Anschlusszins, der nach Ablauf des ersten Zinsbindungszeitraums gilt. Finanzexperten gehen von einem langsamen Anstieg der Zinskosten in den kommenden Jahren aus. Ausserdem sollten Risikofaktoren, wie Invalidität, Jobverlust, Scheidung oder Todesfall, nicht vernachlässigt werden. Ist der finanzielle Rahmen abgesteckt, kommt es auf die Wahl des passenden Hypothekarmodells an. Neben der Festhypothek haben Kreditnehmer die Wahl zwischen der variablen, Kombi- oder Libor-Hypothek. Um herauszufinden, welches Modell das Beste ist, zahlt sich eine umfassende Beratung bei mehreren Banken und Versicherungen aus. Im Gespräch gilt zudem zu klären, ob die Kosten allein oder zu zweit getragen werden sollen oder ob Kinder geplant sind, sodass ein Elternteil reduzieren wird und folglich für die Tilgung der Hypothek weniger Einkommen zur Verfügung steht. Erst wenn alle Fragen beantwortet sind, sollte man den wichtigsten finanziellen Schritt des Lebens unterschreiben, damit aus dem Traumhaus im Grünen kein finanzielles Fiasko wird.