Energieeffizienz

Optimales Klima in den eigenen vier Wänden

Von Tobias Lemser · 2019

Energiekosten zählen zu den Hauptposten in der Haushaltskasse. Doch es geht auch anders: Gerade wer neu baut, kann mit ausgereiften Techniken und Werkstoffen viel Geld sparen.

Trudeln alljährlich die Abrechnungen für Strom, Wasser und Gas ein, verheisst dies zumeist nichts Gutes und bringt so manchen Eigenheimbesitzer ins Schwitzen. Bloss keine erneute Nachzahlung! Ein Wunsch, der bei stetig steigenden Energiepreisen häufig unerfüllt bleibt. Es sei denn, man hat vorgesorgt und die monatlichen Abschläge gleich entsprechend nach oben angepasst. Noch besser, wenn ohnehin der Bau eines neuen Eigenheims geplant ist. Ganz abgesehen von erheblich mehr Wohnkomfort gegenüber einer Mietwohnung bringt ein Neubau dank energieeffizienter Bauweise beträchtliche Einsparpotenziale mit sich. Doch wo sollten Bauherren zuerst den Hebel ansetzen und welche Massnahmen sind am effektivsten?

So bleibt die Wärme im Haus

Fakt ist: Da rund die Hälfte der Wärme eines Gebäudes durch Wände, Dach und Boden verlorengeht, ist eine optimale Wärmedämmung unverzichtbar. Idealerweise wird in energieeffizienten Gebäuden durchgehend eine 20 Zentimeter starke Dämmstärke verbaut. Gute Dämmstoffe zeichnen sich durch viele, kleine Luftporen pro Volumeneinheit aus. Weitere wichtige Eigenschaften sind Feuer- und Fäulnisresistenz sowie Alterungsbeständigkeit. Klassiker unter den Dämmmaterialien ist nach wie vor Mineralwolle. Neben ihren exzellenten Dämmeigenschaften ist sie zudem nicht brennbar – einer der wichtigsten Vorteile gegenüber zahlreichen natürlichen Dämmmaterialien, die zudem feuchtigkeitsempfindlich und anfällig für Schädlinge wie Insekten oder Pilze sind. Das Gute: Zusätzlich zur Wärmedämmung sind viele Dämmstoffe in der Lage, den Schall aufzunehmen und so die Räume schalldichter zu machen.

Smarte Sensoren

So dicht die meisten Neubauten auch sind, so gross die Gefahr für Schimmelbildung – ein Problem, das häufig gerade in den ersten Monaten in frisch errichteten Eigenheimen auftritt. Doch nicht nur Restfeuchtigkeit in den Wänden, auch ausgasende Schadstoffe aus Baumaterialien, Bodenbelägen und Möbeln können sich in der Raumluft ansammeln. Da hilft nur eins: regelmässiges aktives Lüften. Da ein dauerhafter Luftaustausch mittels schräg gestellter Fenster pro Jahr einen Wärmeverlust von etwa 1’500 kWh – das entspricht 150 Liter Heizöl – verursachen kann, aber auch kurzes Stosslüften mitunter lästig ist, raten Experten zu einer automatisierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Denn die Anlage fängt einen grossen Teil der Wärme der Abluft auf und überträgt diese auf die frische Aussenluft. Ohne zusätzliche Heizkosten lässt sich im Extremfall die Temperatur der kalten Aussenluft von minus 14 auf bis zu plus 14 Grad Celsius erwärmen. Wer nicht genau weiss, welches Raumklima gerade herrscht respektive wie man es verbessern kann, ist mit smarten Sensoren gut beraten. Diese geben rechtzeitig Bescheid, falls die Temperatur in ihrer Umgebung durch einen Defekt zu stark ansteigt oder die Luftqualität zu sehr absinkt – ein Tool, das unter anderem in Wohnräumen mit Kaminnutzung, aber auch in Kinderzimmern dienlich ist. Hier können die Sensoren helfen, dass Babys nicht auskühlen oder überhitzen.

Solarenergie durch die Fensterscheibe

Apropos Wärme: Auch Sonnenstrahlen, die durchs Fenster dringen, können den Raum kräftig aufheizen, was in den Sommermonaten eher unerwünscht ist. Diesen Effekt haben sich nun chinesische Wissenschaftler zunutze gemacht und eine Fensterfolie entwickelt, die nur einen Teil des Lichts passieren lässt und mit dem Rest sauberen Solarstrom produziert. Allerdings ist dieses Zukunftsmodell noch nicht vollständig ausgereift, denn die Effizienz der Plastiksolarzellen ist noch deutlich niedriger als bei der klassischen Variante aus Silizium. Anstatt zwischen 15 und 19 Prozent, die die Module auf dem Dach erzeugen, liegt der Wirkungsgrad dieser ganz neuen Technologie bei 6,5 Prozent. Die beteiligten Forscher rund um Hin-Lap Yip von der South China University of Technology schauen jedoch optimistisch in die Zukunft und gehen davon aus, bald auch marktreife Produkte entwickeln zu können, die gerade bei grossen Fensterflächen für niedrigere Energiekosten sorgen könnten.