Bauen 4.0

Hightech von der Planung bis zur Schlüsselübergabe

Von Tobias Lemser · 2018

Digitalisierte Technologien gewinnen in der Baubranche zunehmend an Bedeutung. Das spart insbesondere Zeit und Kosten, was Bauunternehmen und Bauherren zugutekommt.

Wer bereits ein Haus in Eigenregie gebaut hat, weiss, welche Chancen, aber auch Hürden so ein Projekt mit sich bringen kann. Allein Firmen für die einzelnen Gewerke zu finden, deren Kostenvoranschläge zu vergleichen und zu koordinieren, wann welches Bauunternehmen was zu machen hat – eine Mammutaufgabe. Ganz abgesehen von der Bauzeit, die sich gerade aufgrund der schwierigen Planung in die Länge ziehen kann. Grund genug für viele Bauherren, ihr Hausprojekt in die Hände eines Generalunternehmens zu geben. Nicht selten ist dieses sogar kostengüns­tiger und bietet einen Rundum-Service bis zur Schlüsselübergabe. Um Termine einhalten und gleichzeitig Kosten sparen zu können, setzen mittlerweile immer mehr Bauunternehmen auf Bauen 4.0.
In Anlehnung an Industrie 4.0 optimiert es mithilfe digitalisierter Technologien die Abläufe und Prozesse wie in grossen produzierenden Unternehmen, was vor allem der Bauqualität zugutekommt. Neben einer höheren Produktivität und Wirtschaftlichkeit versprechen sich Experten vom Bauen 4.0 eine bessere Ablaufsicherheit und -qualität sowie niedrigere Durchlaufzeiten.

Grosses Sparpotenzial

Laut einer im Jahr 2016 durchgeführten Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger, die 40 Bauunternehmen und Bauzulieferer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt hat, gehen 93 Prozent der Baufirmen davon aus, dass die Digitalisierung die Gesamtheit ihrer Prozesse beeinflussen wird. Allerdings setzen erst knapp sechs Prozent der Baufirmen durchgehend auf digitale Planungsinstrumente. Dabei stünden für den Aufbau einer digitalen Bauwirtschaft bereits viele Software­lösungen zur Verfügung – etwa im Bereich der Beschaffung, die einen grossen Kostenfaktor in der Baubranche ausmacht. Immerhin können Firmen mit digitalen Plattformen bis zu zehn Prozent Kosten sparen. Ähnliches gilt für die Baustellenlogistik: Supply-Software ermöglicht Lieferungen genau dann, wenn das Material auf der Baustelle benötigt wird.
So können nicht nur Lagerplatz und -kosten, sondern auch Arbeitszeit der Bauarbeiter eingespart werden.

Im Kommen: Building Information Modeling

Doch nicht nur auf der Baustelle, sondern bereits bei der Architektenplanung kommen zunehmend moderne Digitalisierungstechniken zum Einsatz. Denn stetig komplexere Prozesse und sich verändernde Anforderungen an die Planenden machen neue Arbeitsmethoden notwendig. Stichwort: Building Information Modeling (BIM), das die umfängliche digitale Planung von Gebäuden vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme beschreibt. Beispielsweise können sich Architekten und Bau­herren mithilfe sogenannter Virtual-Reality-Headsets in 3D-Modellen bewegen.
Dies macht es möglich, ein Haus zuerst digital zu bauen. Vorteil: Gegenüber klassischen 2D-Bauzeichnungen zeigen 3D-Visualisierungen dem Laien nicht nur, wie ein Bau nach der Fertigstellung aussehen wird, sondern auch, wie sich dieser Bau in sein Umfeld einfügt.
Zudem können bereits in der Planungsphase strukturelle und projektrelevante Probleme und Fragen geklärt werden. Wichtig, um das digitale Bauen voranzutreiben, sind Interessengemeinschaften, so wie die offene Plattform «Bauen digital Schweiz». Sie vereint die bestehenden Institutionen, Verbände und Unternehmungen rund um das Planen, Bauen und Betreiben. Ziel ist es, die Schweizer Bauwirtschaft ins digitale Zeitalter zu führen und darüber hinaus nachhaltig zu unterstützen. Experten gehen davon aus, dass sich BIM zum Standard für die gesamte Bauindustrie entwickeln wird und gleichzeitig Unternehmen abgehängt werden, die die Methode nicht einsetzen. Baufirmen und vor allem Kunden können also jetzt positiv vorausschauen. Denn eines ist klar: Die Zukunft des Bauens wird digital.