Küchentrends

Das heisse Herz des Alltags

Von Frank Wagner · 2017

Die moderne Küche ist viel mehr als ein Platz zum Kochen und Backen.

Hier wird gefeiert, gebastelt, gelernt, musiziert und natürlich gekocht und gegessen: Weit mehr als ein Wirtschaftsraum ist die Küche Herz und Seele eines Hauses – und wird nun auch immer wohnlicher.

Die Preise für eine neue Küche inklusive Geräten bewegten sich im Jahr 2016 nach Recherchen eines Schweizer Branchenportals im Spektrum zwischen 15'000 und 25'000 Franken. Gerade bei besonders luxuriösen Materialien oder Designs geht es aber schnell einmal über 100'000 Franken hinaus. Im unteren Preissegment gibt es hingegen auch deutlich preiswertere Angebote, etwa bei grossen internationalen Möbelhändlern. In jedem Fall sollten Kunden genau hinsehen, um welche Qualität es sich jeweils handelt. Denn die Unterschiede sind gerade auf lange Sicht oft gewaltig: Man geht bei Küchen immerhin – zum Beispiel in den Tabellen der Hauseigentümer- und Mieterverbände – von einer mittleren Lebensdauer von etwa 15 Jahren aus.
Unterschiedliche Geschmäcker innerhalb der Familie, räumliche Gegebenheiten sowie ein begrenztes Budget erschweren den schnellen Weg zur Wunschküche. Es gibt eine ganze Reihe erstaunlich guter digitaler Tools und Apps. Diese aber bei der Planung ohne die Erfahrungswerte eines Küchenberaters zu nutzen, kann zusätzlich Zeit und Nerven kosten. Kaum ein anderer Ort im Haus muss so viele Anforderungen erfüllen wie die Küche. Der Fachverkäufer kann im Gespräch und mithilfe professioneller Checklisten viel gezielter die Bedürfnisse ermitteln – und das auch ohne teure Fehler beim Ausmessen.

Klare Kante beim Designtrend

Was ist en vogue in der Traumküche? Trotz vergleichsweise hoher Aufpreise sind wohnliche Materialien wie Holz, Glas oder Naturstein, aber auch Edelholz-Imitat oder Beton-Anmutung im Trend. Keramik ist beim abdeckenden Material ebenfalls sehr beliebt. Bei den Farben liegen helle Töne wie Weiss, Beige oder Geige –  einer Kombi aus grau und beige – deutlich vorn. Anstatt der unteren Schranktüren werden immer mehr die platzsparenden Auszüge verbaut. Ausserdem fehlen zunehmend die Griffe an den flächenabschliessenden Türen, Schubladen und Auszügen. Sie öffnen sich – natürlich Anti-Finger-Print-beschichtet – mechanisch oder elektronisch auf leichten Druck. Herde oder andere eingebaute Küchengeräte werden möglichst ergonomisch günstig in Taillenhöhe positioniert. Die Geräte sind insgesamt energieeffizienter und trotz mehr Technik einfacher zu bedienen. Immer grössere Displays können auf Wunsch immer mehr anzeigen, zum Beispiel Kochzeiten oder Einkaufslisten. Bei der Anordnung der Küchenelemente wird die einschlägige Fünf-Zonen-Regel, also die klare Trennung der Bereiche Aufbewahrung (Utensilien), Bevorratung (Lebensmittel), Vorbereitung, Kochen, Reinigen berücksichtigt, aber auch neu interpretiert: So ist die Kücheninsel immer noch beliebt, dient aber zunehmend der Vorbereitung, während Spüle und Herd wieder eher in die seitliche Küchenzeile wandern.

Die abgetrennte Küche war gestern

Der gestalterische Grundtrend ist, dass die Grenzen zu den angrenzenden Räumen immer mehr verschwimmen oder sogar ganz verschwinden. Die wirklich offene Küche ist nicht in jedem Haus realisierbar, insbesondere in Altbauten. Idealerweise bremst aber nichts mehr Sicht und Weg aus der Küche in den Ess- und Wohnbereich. Das schafft Platz für mehr Raumgefühl und Kommunikation. Schlechte Luft und fettigen Dunst entsorgen erfolgreich leistungsstarke, aber geräuscharme Dunstabzüge, die sich zum Teil platzsparend versenken lassen (Downdraft-Systeme). In der zeitgemässen Version der traditionellen Wohnküche wird aber auch gern direkt am Esstisch neben dem Herd gemütlich gegessen. Wo Kochen auf Wohnen trifft, wo Räume zusammenwachsen, hat das Auswirkungen auf Auswahl und Gestaltung der Möbel und Geräte. Es soll möglichst keinen Bruch mehr geben. Die Gestaltung, Farbgebung und die verwendeten Materialien von Küchenmöbeln und -geräten gleichen zunehmend denen im Wohnbereich. So findet man etwa am Herd ganz ähnliche Bedienelemente wie am modernen Fernsehgerät oder auf dem Tablet. Das Notwendige und das Schöne sind also kaum noch zu unterscheiden, und noch nie war der Weg vom Kochen zum Geniessen so kurz wie heute.